Mordstreifen

(Dieser Artikel ist auch via mordstreifen.de erreichbar)

Schon gewusst? „Mordstreifen“ ist das belgische Wort des Jahres 2018. Gemeint ist, was in Deutschland verharmlosend „Schutzstreifen“ heißt: eine aufgemalte Radspur auf viel befahrenen Autostraßen, wo nur ein separierter Radweg Schutz böte.

Das schreibt ein Twitter-Nutzer:

Er verweist dabei auf den Artikel „Moordstrookje“ einer belgischen Tageszeitung.

Das beschreibt aus meiner Sicht die Situation auch in Deutschland relativ gut. Fahrrad ist „irgendwie wichtig“, aber niemals wichtiger als Automobilverkehr. Leider.

Während „Mordstreifen“ ggf. ein sehr polemischer Begriff ist, um die nötige Aufmerksamkeit zu erzeugen, empfinde ich im Gegenzug den Begriff „Schutzstreifen“ als zynischen Euphemismus.

Wie geht’s besser?

Mit geschützten Radfahrstreifen (PEV, „Protected Bike Lanes„). Das sind physisch vom Autoverkehr getrennte Radwege.

Hier ist ein PDF-Dokument aus den Niederlanden, wie ordentlicher Fahrradverkehr auf der Straße gestaltet werden sollte.

Hier ist der Wikipedia-Artikel „Protected intersection„, wie in den Niederlanden (und einigen wenigen anderen Städten) Kreisverkehre gebaut werden, um Autofahrer nur minimal zu gängeln und gleichzeitig Fußgänger und Fahrradfahrer besser zu schützen.

Es gibt sogar am Ende das Artikels einen Link auf ein GitHub-Repository mit technischen Dokumenten zum korrekten Design von solchen Kreuzungen.

Und einen Link zu einer eigenen Design-Website zum Thema Protected crossing. Da können sich Städteplaner dann live und direkt Informationen besorgen.

Copenhagenize

Unter Copenhagenize.eu gibt es Ressourcen rund um das Verbessern von Städten für den Fahrrad-Verkehr. Sie haben auch ein Blog und ein Twitter-Konto.

Beispielsweise stammt nachfolgendes Bild aus dem gleichnamigen Buch „Copenhagenize: The Definitive Guide to Global Bicycle Urbanism„. Seit Dezember 2020 gibt es das Buch auch auf Deutsch.

In diesem Zusammenhang ist auch das Zitat vom Bürgermeister von Kopenhagen sehr treffend:

Buch „Autokorrektur“

Das Anfang Februar 2022 erschienene Buch beschreibt ganzheitliche Ansätze, wie moderne Verkehrspolitik und Theorie und Praxis aussehen sollte, um alle Verkehrsteilnehmer gleich priorisiert zu behandeln. Also primär auch Radfahrer und Fußgänger.

Klappentext zum Buch:

Ein Plädoyer für eine inklusive und klimagerechte Verkehrswende – Mit Schwung, Know-how und Kreativität macht die Mobilitätsexpertin Katja Diehl Lust auf eine Gesellschaft, die gemeinsam eine attraktive und klimafreundliche Zukunft für alle baut. Eine Zukunft, die mehr Lebensqualität in Städten und auf dem Land bietet sowie moderne Formen von Arbeit berücksichtigt.

Hier gibt es das Buch bei Amazon.

Greenpeace-Expertise als PDF

Es gibt von Greenpeace dieses PDF mit tollen Beispielen und Analysen.

Daraus ist auch dieses Bild gemacht worden. Sehr interessant:

Zukunft

Ich wünsche mir sehr, dass wir in Deutschland im allgemeinen und meinen Heimatstädten Göppingen und Eislingen im konkreten hier wirklich mal etwas bewegen, zum Schutz und Erhöhung der Lebensqualität von allen.

Und zwar klotzen, nicht nur kleckern.

Zum Abschluss noch ein schönes Zitat aus dem Spiegel:

(Auf das Thema bin ich über den Freakshow-Podcast FS230 (ab Minute 18:56) aufmerksam geworden)

Weitere Ressourcen

Aufgemalte Radstreifen sorgen für weniger Abstand

Dieser Artikel hier dokumentiert, dass die mittels Farbe auf die Fahrbahn gepinselte „Radinfrastruktur“ dafür sorgt, dass man 40 cm dichter überholt wird.

Ein ähnlicher Artikel dazu vom NDR namens „Wie sicher sind Radfahrstreifen wirklich?“.

Coronavirus macht’s möglich

Viele Städte erkennen, dass Radfahrern kurzfristig mehr Raum gegeben werden muss, und handeln schnell, so z. B. auch Berlin.

Hessen fördert aufgemalte Fahrradstreifen nicht mehr

Das Land Hessen sagt: „Schutzstreifen, die bestimmungsgemäß auch vom Kfz-Verkehr mit genutzt werden können, sind nicht förderfähig.“

Twitter-Quelle, Land-Hessen-Primärquelle, Sep. 2020

Kreuzungsdesign Deluxe

Artikel über gutes Design von Kreuzungen, um Radfahrer nicht durch Autos zu gefährden:

Niederländische Planungsbüros

Auch in Deutschland gibt es gute Beispiele für vernünftige Infrastrukturplanung. Idealerweise wird die Planung dann auch in Deutschland von einem niederländischen Planungsbüro durchgeführt:

Wenn Niederländer deutsche Straßen planen

Beispiel aus Osnabrück

Beispielhafte Planungsbüros für Städte- und Verkehrsplanung, primär mit Bezug zu den Niederlanden:

Einige davon sind auch auf Twitter unterwegs:

Streetmix

Auf streetmix.net kann sich jeder selbst tolle Straßen zusammen konfigurieren, und dann z. B. seiner Stadt/Gemeinde zusenden, um Verbesserungsvorschläge zu machen.

Fahrradstraßen

Fahrradstraßen sind weit mehr als ein Schild aufstellen oder Farbe auf die Straße malen.

Zitat aus „Fahrradstraßen“ des Bundesverkehrsministeriums:

„…Fahrradstraßen sind ein wichtiges Element im Baukasten der Radverkehrsplanung. Sie können den Radverkehr bündeln, beschleunigen und komfortabel machen – und das alles bei einer sehr hohen Verkehrssicherheit. Dabei reicht es bei weitem nicht aus, lediglich das Fahrradstraßen-Schild VZ 244.1 aufzustellen. Diese „Infrastruktur-Maßnahme“ ist zwar sehr kostengünstig, erzielt in der Praxis allerdings meist keinen Mehrwert für die Sicherheit und Ordnung des Radverkehrs sowie für die Radverkehrsförderung….“

Wobei mir das obige Portal insgesamt als recht konservativ und vorsichtig daher kommt. Wenig von progressivem Aufbruch à la Niederlande oder Dänemark zu sehen.

Urban Mobility Courses

Auf urbanmobilitycourses.eu befindet sich eine von der EU geförderte Sammlung von Ressourcen, Kursen und Anleitungen, wie man menschenfreundliche, fahrradfreundliche Städte plant.

ZDF-Magazin-Royale-Sendung über die Auto-Dominanz

Siehe auch Originalsendung

Meldung von Falschparkern

Es gibt Kommunen und Polizei, die das Melden von Falschparkern (z. B. via weg.li) mit dem Vorwand von „Datenschutz“ ablehnen und teilweise sogar den Melder selbst bei einer Datenschutzbehörde anzeigen.

Dieser Tweet hier vom Bundesdatenschutzbeauftragten dazu sagt, dass das eine unzulässige Schutzbehauptung ist:

Weitere Antworten von Peter Schaar zur selben Thematik, weiter unten im Thread, u. a.:

Außerdem interessant, dieser Tweet:

…Muss für berechtigtes Interesse keine persönliche Betroffenheit vorliegen…

Und die Stadt Mannheim z. B. schreibt, dass es „…keine Einschränkungen für bestimmte Kommunikationswege…“ gibt. Vorbildlich. Die Deutsche Umwelthilfe klagt jetzt auch exemplarisch gegen eine Kommune, die sich mit „Datenschutz“ herausreden will.

Buch „Design manual for bicycle traffic“

Hier gibt es ein Buch aus den Niederlanden, das wohl so etwas wie die Bibel für sichere Fahrradinfrastruktur für Verkehrsplaner.

Die Website hat auch noch weitere Bücher zum Kaufen und auch zum (teils kostenlosen) Download zum Thema Fahrradinfrastruktur.

ADFC-Broschüre „InnoRADQuick“

Diese PDF-Broschüre beschreibt unter dem Motto „Schnell, innovativ und gut fürs Klima: So gelingt der fahrradfreundliche Umbau„, wie Kommunen schnell und günstig mehr Fahrradverkehr in ihren Orten ermöglichen können. Hier der zugehörige ADFC-Blogbeitrag zur Broschüre.

Felix fährt endlich Fahrrad!

Ich selbst konnte es mit drei Jahren. Mein Sohn Felix hat ein Fahrrad seit seinem vierten Geburtstag.

Und dieses Jahr im Mai 2017, an seinem fünften Geburtstag, hatte er immer noch keine große Lust, länger als 10 Meter wackelig zu rollen, bevor er das Fahrrad wütend und frustriert in die Ecke geworfen hat.

Doch dann, vor 2 Wochen, hat er gesehen, wie der 4-jährige Nachbarsjunge Noah zum ersten Mal auf dem Rad saß und bereits nach 5 Minuten munter und weitgehend fehlerfrei seine Runden gedreht hat.

Und dann hatte ich ihn bei seiner Ehre bzw. im Wettbewerb:

Am nächsten Tag habe ich ihm nochmals leicht angestachelt und gesagt, das Noah so toll und schnell fahren gelernt hat, bin mit Felix zu exakt derselben Stelle am Spielplatz gegangen und habe ihn losfahren lassen, mit leichter Hilfestellung.

Dann ging alles ganz schnell: Nach 10 bis 20 Runden wurde Felix zunehmend sicherer, ist auch mal andere Strecken gefahren, und seit dem ist er fast täglich unterwegs.

Heute sind wir das erste Mal eine kleine Papa-Sohn-Tour über die Felder geradelt, jeder mit dem eigenen Rad. Abgesehen von einem frustrierten Wutausbruch hat es uns beiden sehr viel Spaß gemacht.

Allzeit gute Fahrt, mein toller Sohn!