Dies ist ein subjektiver Erfahrungsbericht nach 7 Monaten Golf GTI 6.
Achtung! Dieser Bericht hat nix mit Fahrdynamik-Pseudo-Ahnungs-Geschriebsel zu tun. Ich bin Auto-Laie (und stolz darauf). Ich bin schlicht Anwender von Autos. Je einfacher mir die Anwendung des Autos fällt, desto zufriedener werde ich mit dem Auto sein.
Kurzresumee
Golf GTI 6 ist ein Scheiß!
Ausführliche Version des Resumees
Wie bereits angedeutet, ist die Mängelliste meines VW Golf GTI 6 deutlich länger als die meines davor geleasten VW Golf GTI 5 den ich 2005 bekommen habe.
Aus fahrtechnischer Sicht mag der Golf sicher gut sein, das kann ich nicht beurteilen und es ist mir auch relativ wurscht (so lange es gut funktioniert und nicht stört).
Positives
Ich finde vieles positiv beim Golf GTI 6:
- Die Sitze. Diese sind sehr angenehm zu benutzen, ich fühle mich darin wohl.
- Die Kopfstütze. Ragt mir fast bis über den Kopf, gibt also im Unfall-Fall hoffentlich guten halt.
- Die Automatikschaltung (DSG). Sehr schön zu benutzen, fast unmerklich wird geschaltet.
- Die Hupe klingt auch ganz angenehm.
- Die Leistung des Motors. Scheinbar 210 PS (Golf 5 „nur“ 199 PS). Kann ich nicht beurteilen, reicht aber bisher immer überall gut aus.
- Rechter Außenspiegel fährt beim Rückwärtsgang automatisch nach unten für bessere Randsteinsicht.
Negatives
Leider gibt es auch sehr vieles Negatives zu finden das zwar nüchtern betrachtet relativ unerheblich ist, aber kombiniert und über die Zeit betrachtet sind die Mängel viel zu viel.
Als Zitat aus der eingangs erwähnten Mängelliste hier nochmals die größten Ärgernisse aufgelistet:
- Nach dem Starten der Zündung fängt in 90% der Fälle das Radio an zu spielen, obwohl beim vorherigen Abstellen des Fahrzeugs Media-In (also der iPod-Anschluß) aktiviert war.
- Mindestens ein mal pro Fahrt, ca. alle 1/2 bis 1 Stunde bucht sich das Bluetooth Telefon aus und wieder ein, mit entsprechender Unterbrechung der Musik und entsprechend lauten Signaltönen. Dies tritt auch dann auf, wenn ich mein Bluetooth-Telefon gar nicht im Auto dabei habe.
- Die Innenverkleidung der Fahrertür klappert.
- Alle 2-3 Wochen wird der iPod nicht erkannt (“Kein Medium angeschlossenâ€) und erst nach ca. 10 Minuten nach Fahrtbeginn wir Media-In wieder korrekt erkannt.
- Beim Auswählen und anschließendem Abspielen eines Musikstücks (iPod) vergisst die VW-Bedienoberfläche den zuvor ausgewählten Navigationspfad. So muss bei jedem Liedwechsel wieder “iPod -> Interpreten -> Alben -> Musikstück†ausgewählt werden. Dies ist jedesmal mit ca 1-2 Minuten Aufwand bei jedem Liedwechsel verbunden.
- Jedes Mal beim Losfahren ist für ca. 1 Minute ein deutliches Surren aus dem Armaturenbrett kommend im Innenraum zu hören (für Fahrer und Beifahrer), als ob ein Schrittmotor sich einstellt. (Ergänzung: Das war übrigens das DVD-Laufwerk; als ich die Navi-DVD entfernt habe, hat das aufgehört)
Hinzu kommen noch systembedingte Ärgernisse die stören:
- Die Einparkhilfen in Form von Abstand-Sensoren die durch Piepgeräusche die Entfernung zum Hindernis akustisch signalisieren: In meiner Tiefgarage muss ich sehr eng rangieren, und 3 mal vor- und zurücksetzen. Da sich die Einpark“hilfe“ immer mit dem Rückwärtsgang einschaltet, schalte ich also 6 mal täglich (morgens ins Büro, abends heim) die Einparkhilfe aus, da ansonsten in der engen Tiefgarage ein Dauer-Sinus-Ton meine Nerven sowie die Jaulsensoren von Jara überstrapazieren würden.
- Relativ laute Fahrtwind-Geräusche ab Autobahngeschwindigkeit. Das wird in dieser Auto-Preisklasse halt einfach nicht besser gehen.
- „Easy Entry“ heißt bezeichnenderweise übrigens der Mechanismus mit dem die Vordersitze für hinten einsteigende Personen und Gegenstände geklappt werden können. Das ist die abartigste Funktion die ich je in einem Auto gesehen habe. So kompliziert und schwer gängig zu bedienen und gleichzeitig so sinnlos im Nutzen, dass es eine wahre Freude ist. Der „Easy“-Namen dazu ist purer Sadismus des Designers, da bin ich von überzeugt.
Alltäglicher Umgang
Wenn ich morgens ins Büro fahre, steige ich zunächst ins Auto ein, schnalle mich an, mache die Zündung an.
Reflexartig drehe ich den Ton auf stumm, da in 90% der Fälle ja Radio angeht, obwohl am Abend davor iPod aktiv war. Ich hasse hasse hasse Radio.
Alternativ drehe ich nicht auf stumm sondern versuche gleich den am „Media-in“-Anschluss angeschlossenen iPod durch Drücken auf die „Media“-Taste auszuwählen.
Das Stumm-Drehen gelingt leider erst nach einer Weile, genau so wie die „Media“-Taste eine Aufwärmphase von 20-30 Sekunden zu benötigten scheint (Werkstatt hat mal was von „Bus“ gesprochen, ich habe aber einen PKW, keinen Bus. Seggl der!).
Nun bin ich inzwischen so weit vorgefahren, dass ich das erste mal zurücksetzen kann.
Gleichzeitig versuche ich nun: Rückwärtsgang einlegen, Parkasisstent-Taste zum Ausschalten der Piepgeräusche zu drücken und die Lautstärke erneut runterzudrehen, da die auf dem Bildschirm inzwischen erscheinende visuelle Einparkhilfe die zuvor unternommenen Bemühungen der Lautstärke-Stummschaltung bzw. der „Media“-Taste unterbrochen und somit zunichte gemacht haben.
Dieses Procedere führe ich 3 mal durch. Dann bin ich draußen aus der Tiefgarage und fahre ins Büro.
Wenn ich Glück habe bucht das Bluetooth-System mein iPhone nicht aus und wieder ein (jeweils durch einen ohrenbetäubenden Signalton signalisiert); meistens habe ich Pech.
Während der Fahrt habe ich noch wahlweise zusätzlich folgende akustische Bereicherungen: Signalton wenn es unter 4°C wird („Frost“, haha), Signalton wenn ich tanken sollte.
Völlig reizüberflutet komme ich im Büro an.
Abends auf dem Heimweg dann jeweils dasselbe „in grün“, wie das wohl heißt.
Danach falle ich entspannt ins Bett und träume von Autos bei denen Apple die Usability entworfen hat.
Resumee
Ich war mit dem Golf GTI 5 sehr zufrieden, mit dem Golf GTI 6 bin ich deutlich weniger zufrieden.
Wie es der Hersteller geschafft hat, gute Funktionen konsequent zu verschlechtern und schlechte Funktionen beizubehalten finde ich gleichzeitig faszinierend und traurig.
Ggf. erwarte ich zu viel von einem Auto dieser Preisklasse; da es aber bereits bessere Produkte (Golf 5) gab, bin ich trotzdem verärgert.
Ich hoffe dieser Artikel hilft dem einen oder anderen bei der Kaufentscheidung für oder gegen einen Golf.
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