Hitlerwetter

Den Begriff „Hitlerwetter“ nutze ich gerne mal um Leute in ganz alltäglichen Gesprächen zu verwirren. Z.B. wenn mal wieder über das Wetter gejammert wird („Kein Hitlerwetter heute“) oder das Wetter gelobt wird („Richtiges Hitlerwetter heute“).

„Hitlerwetter“ steht dabei nach meinem Verständnis für sonniges, warmes, wolkenloses Wetter, oder schlicht auch gutes Wetter.

Den Begriff habe ich zum ersten Mal bei Serdar Somuncu gehört, als er aus Hitlers „Mein Kampf“ vorgelesen hat oder aus Goebbels Sportpalastrede vorgetragen hat.

Anscheinend hat Joseph Goebbels, der Hitler sehr verehrt hat, in seinem Tagebuch immer bei besonders schönem Wetter von „Hitlerwetter“ geschrieben. Zu Beginn wohl, weil er es tatsächlich so empfand, später dann wohlwissend, dass seine Tagebücher später mal gelesen werden.

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Das schöne Wetter genießen

Mit den schönen und warmen Tagen im Sommer trifft man sich gerne nach der Arbeit noch mit Freunden, Bekannten oder geht noch eine Runde schwimmen am See. Hat man sich aber im kalten Winter angewöhnt eine bestimmte Sendung zu verfolgen, so würde man dann doch gerne noch wissen wie es an lauen Sommerabenden denn weitergegangen ist. Damit man in Zukunft die Lieblingssendung nicht verpasst und trotzdem das schöne Wetter genießen kann, gibt es Portale wie etwasverpasst.de. Dort werden zahlreiche Sendungen und Dokumentationen zum online schauen angeboten. Auf dem Portal werden Inhalte von zahlreichen beliebten Sendern wie RTL, ProSieben,Sat 1 und ARD angeboten. Zudem besteht noch die Möglichkeit, dass man per Mail an seine Lieblingssendung erinnert wird, sodass diese in Zukunft nicht mehr verpasst wird. Einfach E-Mail Adresse ins passende Formular eintragen und schon wird man ans Schauen seiner Lieblings-TV Sendung erinnert. Das Portal stellt ebenso das Fernsehprogramm der jeweiligen Sender bereit. So kann man mit dem Besuch der Seite sowohl auf vergangene als auch auf zukünftige Sendungen informieren.

Usability-Alptraum

Eigentlich war es so einfach: Ich wollte wissen, wie das Wetter die nächsten 3 Tage so grob hier in Göppingen wird.

Let the nightmare begin

Also habe ich angefangen: Einfach mal auf gut Glück und ohne Vorwissen www.wetter.de in den Browser eingegeben.

Damit kam ich auf eine Seite, die so aussah:

Schock! Habe ich mich vertippt gehabt? Ich wollte doch nur das Wetter und nicht die MSNBC-Startseite von 1999. Nochmals URL kontrolliert, doch, passt alles.

Also guten Mutes eines der beiden Suchfelder ausgewählt und „Göppingen“ eingegeben. Dann kommt erst mal eine Auto-Vervollständigen-Liste. Ich glaube nach wie vor an einen Scherz:

Aber hilft ja nichts, ich quäle mich durch die bunte Bonbon-Website und bewege die Maus zur „Start“-Schaltfläche. Keine Ahnung, warum sie „Start“ und nicht „Wettervorhersage anzeigen“ oder so heißt, doch nun gut.

Also gelange ich auf eine weitere Seite:

Dort sind dann so viele verstreute Infos, dass ich nun wirklich aufgeben will. Zur Erinnerung, ich wollte das Wetter die nächsten 3 Tage in Göppingen wissen. Scheinbar kann ich sogar „Premium Wetter“, so ganz ohne Bindestriche und so, kaufen. Wow, die verkaufen mir Wetter?

Brauche ich jetzt erst mal nicht, deshalb, runterblättern und schon nach anderthalb Bildschirmseiten kommen dann tatsächlich die gewünschten Informationen.

Gut, es kommen so wahnsinnig viel Informationen, dass es mich erschlägt, und es kommt dann, nach erneutem Blättern, gleich noch die Infos, wie es die nächsten 7 Tage wird, aber es kommen Infos. Mit ein bisschen Anstrengung kann ich mir jetzt grob das Wetter der nächsten 3 Tage im Kopf visualisieren.

Ich war wirklich geschockt ob der Komplexität einer (vermeintlich einfachen) Wettervorhersage.

Und dann kam Google

„Geht das auch einfacher?“ habe ich mich dann gefragt? Und einfach mal, ohne weitere Zusatzangaben bei Google nach „wetter“ gesucht.

Hier das Ergebnis:

Hammer! Ich habe einen Suchbegriff eingegeben und erhalte exakt die Informationen, die ich haben möchte.

Hier stimmt einfach alles: Google hat meinen Standort erkannt, zeigt mir das Wetter von Heute und zeigt mir das Wetter die nächsten 3 Tage.

Einfach so. Ohne klicken. Ohne suchen. Ohne alles.

Und damit hatte ich tatsächlich die gewünschten Informationen erhalten, in einer derart übersichtlichen Weise, dass ich es kaum glauben konnte. (Gut, die Fahrenheit-Angaben hätt’s jetzt nicht gebraucht).

Mein Fazit

Das ist für mich so wahnsinnig unglaublich faszinierend gewesen an einem so eindeutigen Beispiel zu sehen, warum Google alle anderen platt machen wird. (Genau wie bei den Browsern)

Auf der einen Seite eine Firma (bzw. eine Website), die nichts anderes macht als Wetterdaten bereitzustellen, in einer Form, die meiner Meinung nach in der Kompliziertheit kaum zu übertreffen ist.

Und auf der anderen Seite Google, bei denen das Wetter quasi als „Abfallprodukt“ anfällt und in einer grandios benutzerfreundlichen Art dargestellt wird: Die Informationen sind klar, eindeutig, verständlich und vor allem sofort da, mit einem Minimum an Aufwand.

Ich stelle mir das so vor: die Wetterfirmen sind im Besitz von Daten und überlegen sich, wie sie ihre Daten möglichst vollständig auf der Website verteilen und darstellen können. Bei Google hingegen überlegen sich die Ingenieure stattdessen, was der Benutzer haben möchte und stellen ihm genau diese Informationen zur Verfügung. Google macht intern bestimmt riesige Anstrengungen, damit am Ende so einer Lösung herauskommt. Nur: Es funktioniert (für mich).

Ich werde nie wieder die Wetterseite besuchen; das hat mich wirklich abgeschreckt. Auf der anderen Seite könnte das, was Google macht ja auch die anderen Dienste machen: Die automatische Standortermittlung via IP-Adresse habe ich in unseren Online-Shops auch drin. Die Überlegung, was der Kunde sehen will und nur die Informationen darzustellen könnten die anderen auch machen. Es muss nur einen magischen, mir völlig unbegreiflichen Grund geben, warum sie das nicht machen. Ggf. ist es fehlende Passion für die eigene Sache?

Ich verstehe, dass die Firmen Geld verdienen müssen und z.B. auch Werbung anzeigen müssen. Und Premium-Features anbieten möchten. Meiner Meinung nach geht das auch eleganter und mit einer Benutzeroberfläche und -Führung, die dann auch ein Normalsterblicher ohne vorheriges IT-Studium bedienen kann.

Z.B.: Das Häufige (Wetter an meinem Standort oder anderswo) so einfach wie möglich präsentieren und super-simpel erreichbar machen; das Seltenere erreichbar machen, so dass es bei Bedarf erschließbar ist (z.B. die Premium-Dienste).

Zum Spaß habe ich mir noch wetter.com angeschaut, die scheinen das genau so wie wetter.de zu machen:

Und, um mich zu wiederholen, das ist der Grund, warum auf lange Sicht viele dieser Dienste von Google platt gemacht werden. Paranoiderweise könnte ich mich fragen: Kommt ggf. bald ACTA fürs Wetter, damit das „böse Google“ nicht die ganzen anderen Wetterdienste „kaputt macht“? Es ist halt meiner Meinung nach nicht Googles Schuld, dass sie sich mehr Gedanken machen und Nutzer-orientierter sind, als sehr viele andere.

Epilog

Das Beispiel hat mir sehr plastisch gezeigt, wie wichtig es ist und wie stark auch wir darauf achten müssen, unsere eigenen Produkte so gestalten, dass der Benutzer seine Ziele auf einfachst mögliche Weise erreichen kann. Wir dürfen also eben keine Entwickler sein, die das Maximum an verfügbaren Techniken einsetzt; die Kunst besteht darin so wie ein Nutzer zu denken und ihm zu jedem Zeitpunkt das richtige, verständliche, übersichtliche und klare Werkzeug an die Hand zu geben, gleichzeitig die Computer-, Usability- und Internet-Erfahrung nutzen um runde und schlüssige Lösungen zu erarbeiten.

Also eigentlich das was Google und Apple seit Anfang an machen.